Konzertreview: Rammstein

geschrieben von Stefan Miesenberger, am 30. November 2009

18.30 Uhr, Wiener Stadthalle. Tausende Rammstein-Fans stehen vor den Eingängen und warten seit Stunden schon auf Einlass. Ich warte erst seit fünf Minuten, aber keine Sorge es werden sich noch gut eineinhalb Stunden dazu gesellen. Ganz genau… aus mir unbekannten Gründen hielt man die Tore zur Stadthalle bis ca. 19.30 Uhr geschlossen. Zumindest ab da begann sich die Schlange deren Anfang und Ende ich nicht einmal sehen konnte ein bisschen zu bewegen. So sah es beim Nordeingang aus – bei den anderen Eingängen wird’s wahrscheinlich nicht anders gewesen sein. Übrigens, es war kalt. So kalt. Mir ist kaaalt. Soooo kalt. Ihr wisst schon. Keine Lust.

Egal, denn am Ende befand man sich ja doch noch in der Halle und konnte sich ein gemütliches Plätzchen irgendwo vor der Bühne suchen. Naja, und jetzt heißt es warten. Das gibt viel Zeit zum Denken. Welcher übermäßig genährte Bauch drückt einem da gerade weich in den Rücken? Woher kommen die Typen mit Oropax im Kopf? Und so weiter. Jeglicher Gedanke verzieht sich aber sofort, als sich die Bühne verdunkelt und die Spannung ansteigt. Gleich ist es soweit. Dafür bin ich stundenlang in der Kälte gestanden. Dafür habe ich eine unermessliche Summe (nja, so viel auch wieder nicht) gezahlt. Looos, Raaammmmst…ein? Wtf? Auf einmal betreten vier merkwürdige Gestalten die Bühne. Waren Rammstein nicht einmal mehr Leute? Und seit wann hat Rammstein zwei Schlagzeuger? Und seit wann grölt Rammstein ins Mikrofon zu irgendwelchen technoiden Klängen? Oh, das ist ja gar nicht Rammstein. Und wenn ich mich korrekt an die ganzen verwirrten Gesichter um mich herum erinnere, dann war ich nicht der einzige, dem entgangen war, dass es noch eine Vorband gab. Combichrist. Naja. Was soll ich zu denen sagen. Vom Text versteht man nicht wirklich viel, die Musik selbst ist ganz nett und der Schlagzeuger, der ständig den Roadie nötigte die Drums wieder hinzustellen, nachdem er sie umgestoßen hatte, war ganz amüsant. Im Großen und Ganzen wirklich nicht notwendig, aber doch eine ganz nette Übung um das Atlanto-okzipitalgelenk  für Rammstein einzustimmen. Zwecks headbangen und so. Aber trotzallem wartete ich nur darauf, dass sie endlich für Rammstein die Bühne frei machen würden. Was sie dann nach Liedern wie „Get Your Bodybeat“ oder „All Pain Is Gone“ auch getan haben. Natürlich erst, nachdem sie ihre Instrumente geschrottet haben.

Und wieder warten. Bis dann plötzlich wieder… Dunkelheit. Jetzt endlich Rammstein oder noch eine Vorband? Mehr Dunkelheit. Sehr viel Dunkelheit. Doch dann bricht Stein um Stein (haha) die Wand der Bühne auf und die Bandmitglieder stehen im gleißenden Licht da. Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit… da ist wohl etwas Wahres dran. Hört sich hier und jetzt übertrieben an, war aber wirklich beeindruckend. Beeindruckend – dieses Wort zieht sich wie gewohnt durch das gesamte Konzert der Band. Und auch wenn die Musik vielleicht nicht jedermanns Sache ist, so war die Bühnenshow unumstritten atemberaubend. Seien es nun die zahlreichen Stichflammen, das Feuerwerk der explodierenden Baby-Puppen, das ganze Konfetti oder die penisförmige Schaumkanone. Spätestens als Till Lindemann mit stählernen und brennenden Engelsflügeln „Engel“ sang, kann keiner mehr leugnen wie geil dieses Konzert war. Aber auch musikalisch waren Rammstein, wie gewohnt, absolut genial. Was die Trackliste angeht, so war dieses Konzert erwartungsgemäß sehr auf ihr neuestes Album „Liebe ist für alle da“ ausgelegt. Soll an dieser Stelle aber nicht negativ klingen, da meiner Meinung nach auch dieses Album durchaus sehr gut gelungen ist. Natürlich gab es auch wieder ein paar Klassiker zu hören angefangen bei „Weißes Fleisch“ über „Engel“ bis hin zu „Feuer frei“.
So. Nach einer gehörigen Zugabe und insgesamt nicht ganz zwei Stunden musste man nur noch das Konfetti aus den Haaren kriegen und das Ganze war leider auch schon wieder vorbei. Ich persönlich brauchte hinterher noch ein paar Stunden um überhaupt realisieren zu können, wie unglaublich diese Show war. Rammstein liefern nach wie vor unglaubliche Konzerte und Bühnenshows und zählen somit immer noch zu den absolut sehenswertesten Bands ever.

Hier noch eine ungeordnete Trackliste. Kann sein, dass hier noch ein paar Titel fehlen, aber das Ganze war einfach eine absolute Sintflut an Eindrücken. Durch die Ohren drang die Musik, die Augen erglühten beim Anblick der Show, die Haut brannte durch die Hitze der Feuersäulen und der Geruchssinn erstickte beinah an den Schwefeldämpfen des Feuerwerks.

 

Rammlied
Engel
Sonne
Ich Will
Feuer Frei
Wiener Blut
Bückstabü
Haifisch
Waidmann
Ich Tu Dir Weh
Liebe Ist Für Alle Da
Du Hast
Links 2 3 4
Benzin
Weißes Fleisch




Kommentare

  • Achja und ein tipp für die nächsten stadthallenkonzerte: wenn viel los ist, bildet sich eine traube beim einlass wo man dann mit etwas ellbogentechnik genau 5 min ansteht bis man eingelassen wird ;)

    von Alex, am 30. November 2009 (vor 8 Monaten)

  • Das konzert war sehr leise mmn, vor allem die drums hätten bei weitem lauter und knackiger gehört, pyrotechnik war wirklich sehr fett, musikalisch warens auch solide nur ein fettes minus gibts an die organisation, es wurde verabsäumt, dass der wavebreaker geschlossen werden muss (wie es dann schließlich am fr bei placebo der fall war, wobei da ziemlich unnötig) da es einfach vorne unmenschlich voll war (und wenn man dann auch noch so eine schlampe hinter sich stehen hat, die einem die ellbogen in den rücken drückt ists doppelt zach...)

    von Alex, am 30. November 2009 (vor 8 Monaten)