Interview mit Kreisky

geschrieben von Lukas Linemayr, am 16. Oktober 2009

Heuer brachte die Wiener Band Kreisky ihr zweites Album "Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld" heraus und gewann außerdem vor einigen Wochen den Amadeus Austria Music Award in der Kategorie "Alternative Act des Jahres". Wir waren so frei und machten ein Online-Interview mit der Band, die Antworten gaben Sänger Franz Adrian Wenzel und Drummer Klaus Mitter.

 

Warum eigentlich 'Kreisky'? Hätte 'Gusenbauer' oder 'Schüssel' als Bandname nicht genug Sex-Appeal?
Franz: Diese Frage kannst du sehr gut für dich selbst beantworten.

Ihr seid dieses Jahr am Frequency aufgetreten - was macht euch mehr Spaß, ein Auftritt vor riesigem Publikum oder eher im kleinen Kreis?
Franz: Es hat natürlich beides seine Reize. Persönlich mag ich Festivals nicht so gerne, weil mir das ganze Umfeld ein bissl auf den Keks geht: die lästige Zufahrt, die Hektik, und überall Musik. Sehr ungemütlich. Dafür ist es halt super, wenn da wirklich ein Haufen Leute sind, und die teilweise sogar mitsingen – was mir aber oft auch ein bisschen peinlich ist, weil die sind normalerweise textsicherer als ich. In kleinen Lokalen kriegst du einen ganz anderen Rotz zusammen, das kann auch oft sehr lässig sein. Das Ideal ist eigentlich eine Publikumsmenge von so 300 bis 500 Leuten, das ist optimal.

Durch welche Musik lasst ihr euch inspirieren?
Klaus: Quer durch eigentlich. Weil jeder von uns vieren einen anderen musikalischen Hintergrund pflegt, gibts da jetzt wenig Bands, auf die sich alle einigen können. Als Konstanten lassen sich aber frühe Nick-Cave-Sachen und Birthday Party sowie The Jesus Lizard und Fugazi - zumindest musikalisch - festmachen.

Franz: Die Flaming Lips mag auch jeder. Ich selber hab einen leichten Hang zum Pompösen und mag auch gern italienischen 70er-Progressive Rock und ähnliches. Momentan horch ich mich durchs Procol Harum-Gesamtwerk.

Im Lied "Vandalen" singt ihr zum Beispiel "Wir sind alle Kannibalen, das sind alles keine Menschen mehr" - wie kommt man auf solche Texte?
Franz: Oft sind es so kleine Nebenmeldungen, die ich so aufschnappe, die mich anstarten. Oder einzelne Wörter, die mir gefallen. Momentan klebt zum Beispiel an meinem Monitor ein Post-it, da steht drauf:
Kredit, Mentholzigaretten, Beherrscher, Olympique Marseille, Ölkrise, Aquaplaning – mal schauen, ob eines davon mal in einem Liedtext auftaucht. Am meisten interessiert mich, was Leute sagen, wenn sie eigentlich ganz was anderes meinen. Selbst- und Fremdtäuschungen.

Habt ihr ein Lied in eurem Repertoire, das euch besonders viel bedeutet?
Franz: Momentan nicht. Meistens das neueste, noch frischeste. Sofern man das Gefühl hat, dass es wirklich gelungen ist.

Gibt es ein Lied von euch, dass ihr überhaupt nicht mehr hören/spielen könnt?
Klaus: Keines, auf das sich alle einigen könnten. Aber jeder hat so seine Stiefkinder im Repertoire.

Und zum Abschluss: Was können wir uns von Kreisky 2010 erwarten?
Franz: Formulieren wir das mal so: nichts. Wir werden Ende des Jahres wieder zum Schreiben anfangen und nächstes Jahr wohl an der nächsten Platte basteln. Vielleicht gibt’s das eine oder andere Einzelkonzert, aber nichts Gröberes.

Klaus: Ein paar Konzerte in Deutschland stünden auch vor der Tür, mal sehen, wie sich das anlässt.


Fotos enstanden beim Kreisky-Konzert im Bellevue (trickster.at)



Kommentare

  • Irgendwie gefällt der Header jedem - gefällt mir.

    von Lukas Linemayr, am 19. Oktober 2009 (vor 8 Jahren)

  • nette sache das...
    und der header gefällt mir auch!

    von julius, am 17. Oktober 2009 (vor 8 Jahren)