Interview mit Ja, Panik

geschrieben von Lukas Linemayr, am 25. Oktober 2009

Freitag, 23. Oktober - der Nebel stand uns schon auf der Hinfahrt bis zum Kinn, und jetzt treffen wir Sänger Andreas Spechtl und Drummer Sebastian Janata von Ja, Panik im Backstagebereich des Sakog in Trimmelkam. Insbesondere Andreas wirkt ziemlich müde, trotzdem stehen uns die Beiden Rede und Antwort.

The Angst and the Money ist ja schon recht anders, verglichen zu den zwei Vorgängern. Wie seht ihr das: Als Weiterentwicklung des Vorherigen, oder sind für euch alle Alben gleichwertig und eigenständig?
Andreas: Ich seh die Alben in einer stetigen Entwicklung – vom ersten bis zu dem jetzt, also... es ist natürlich klar, als Band findet man, denk ich, immer die letzten super, aber es ist schon eine Entwicklung.
Sebastian: Ja, eindeutig eine Entwicklung.

In euren Texten werden englische und deutschsprachige Elemente wild durcheinander gemischt – gibt es dafür einen bestimmten Grund, oder spricht man im Burgenland einfach so?
Andreas: Einen zwingenden Grund hat es sicher nicht. Ich kann mich in meinem tiefsten Innersten nicht entscheiden, ob ich nicht doch lieber Englisch singen würde. Bei der Platte war das eigentlich das erste Mal, dass ich das bewusst eingebaut habe. Auf der Taste-Platte kommt immer wieder ein Refrain, der dann Englisch ist – da war das noch ziemlich abgekapselt.

Ihr seid ja gerade leider nicht komplett - ich bin nämlich begeistert von eurer Tanzperformance im Video zu „Zwischen 2 und 4“. Kostprobe?
Andreas: Das ist schon sehr lang her, ich glaub das können wir nicht mehr.
Sebastian : Das war so anspruchsvoll und kompliziert, das haben wir vergessen, wie das funktioniert.
Andreas: Das war ziemlich kurzfristig – die Choreographie ist ca. eine Stunde vor Drehbeginn entstanden – das ganze Video war ein einziger Mangel an einer Idee.

War das bei „Ob ich das verdiene?“ auch so?
Andreas: Nein, da hat's schon eine ziemliche Idee gegeben, auf das kommt man nicht so schnell.

Ist „Alles ist hin, hin, hin“ wirklich die richtige Botschaft für die heutige Jugend?
Andreas: Es ist ja keine Botschaft, sondern eine Beschreibung – das „hin“ wird ja missverstanden, denn die Meisten verstehen das so arg auf das „hin“ im Sinn von „kaputt“. Aber „hin“ kann auch „weg“ bedeuten.

Auf eurer Homepage ist ja monatelang nur „Alles ist hin, hin, hin“ gestanden – waren die Gerüchte, dass ihr euch auflöst, beabsichtigt?
Andreas: Das war nicht geplant – es sollte natürlich ein bisschen zu Missverständnissen führen, aber nicht dass man denkt, dass wir uns jetzt tatsächlich aufgelöst haben – aber es freut mich eigentlich.

Was mich persönlich seit Ewigkeiten beschäftigt: Ist „Ja Panik“ eine Anspielung auf „Japan“?
Andreas: Ja, es ist uns auch schon passiert, dass man da durcheinander kommt, wenn man es schnell ausspricht.
Eigentlich kommt das auf der ersten Platte in einem Lied vor („Ja, Panik treibt mich...“) und eigentlich hätte nur das Album „Ja, Panik“ heißen sollen.

Gibt es eine besondere Entstehungsgeschichte zu einem Song, fernab von rein kreativem Songwriting?
Sebastian: Nix besonderes, aber zwei Lieder sind auf Tour entstanden. Also wir waren schon ein bisschen in Zeitnot, was neue Lieder schreiben betrifft, und haben dann immer bei den Soundchecks überlegt und neue Lieder ausprobiert.
Andreas: Aber das stellt man sich immer so großartig vor, in dem Moment wo man eigentlich dran sitzt und dran arbeitet ist es glaub ich nicht viel anders als eine normale Arbeit - einfach eine Hacken.
Sebastian: Es macht natürlich Spaß, wenn man was weiterkriegt, aber in dem Moment wo man ansteht, nicht weiß wie man weitermachen soll, das ist dann sehr anstrengend.

Also hat es schon Erfahrungen mit Schreibblockaden gegeben?
Sebastian: Naja, Schreibblockaden – wenn die ganze Band das Lied probiert, gibt’s ja schon ein Grundgerüst, mehr oder weniger, wir müssen halt schauen, wie wir das umsetzen, und dabei gibt’s halt dann Schreibblockaden – eher Bandblockaden.

Wir waren vorher schon bei Botschaften: wollt ihr überhaupt eine Message vermitteln, oder macht ihr eure Musik zur reinen „Selbsttherapie“?
Andreas: Nein, Selbsttherapie ist das nicht, wir wollen möglichst viele „Messages“ versenden und möglichst viel Widersprüchliches.

Was uns auch schon seit Ewigkeiten beschäftigt: Meint Ihr mit „Tony Marony“ in „Nichts ist so sexy“ vom ersten Album den deutschen Schlagersänger oder den italienischen Fernsehcop?
Andreas: Es gibt einen Schlagersänger auch? Nein, es ist dieser Cop gemeint, obwohl das eher so ein Sprichwort war – in gewissen Kreisen, wenn ich Tony Marony bin, heißt das dass ich... naja, zumindest einen Damenspitz hab. (schmunzelt).

Die österreichische Musikszene ist nicht gerade ein leichtes Pflaster, um mit dieser Tätigkeit Geld zu verdienen. Was sind jetzt eure Zukunftspläne? Wollt ihr jetzt weiter in Österreich versuchen, groß zu werden, oder konzentriert ihr euch auf's Ausland – ihr habt ja jetzt auch zehn Konzerte in Deutschland..
Sebastian:  Einer der Gründe, warum wir nach Berlin übersiedelt sind, war ja das Problem, das du grad genannt hast – dass es in Österreich schwierig ist, und wir expandieren sozusagen nach Deutschland, weil es dort auch viel mehr Auftrittsmöglichkeiten gibt.

Gibt es einen bemerkbaren Unterschied zwischen dem deutschen und dem österreichischen Publikum?

Sebastian: Nicht wirklich, eher kleiner gesehen, regional bedingte Unterschiede, aber nicht zwischen den zwei Staaten. Man merkt eher Unterschiede Stadt – Land.
Andreas: Wobei, ohja, das deutsche Publikum ist deutlich älter. Aber eigentlich erst auf der Tour, weil früher waren da ja oft keine Leute (lacht).

Bei welcher internationalen Band würdet ihr gerne als Vorband auftreten?
Sebastian: Da hat glaub ich jeder andere Vorlieben.

Oder sagen wir, gibt es konkrete Einflüsse?
Sebastian: Da wird man schnell schubladisiert, man muss also immer aufpassen, mit den Einflüssen, die man nennt.
Andreas: Aber überhaupt ist das schwierig mit diesen Einflüssen. Denn selbst wenn man das Ding an sich nicht gut findet, kann einen das beeinflussen. Ein Schürzenjägerlied kann mich beeinflussen wegen irgendeinem Break, oder weiß der Teufel was, und wenn ich jetzt „Schürzenjäger“ antworten würde, würde jeder schauen. Irgendwie lenkt das die Gedanken in die falschen Bahnen.

Zum Thema Einflüsse: Natürlich will jede Band etwas ganz eigenes machen und keine Kopie sein. Daher: nervt das jetzt eher, wenn man mit anderen Bands verglichen wird, oder sieht man das positiv, fast als Ehre?
Andreas: Das kommt natürlich drauf an, manchmal kann's einen ehren oder so, aber im Großen und Ganzen seh ich das einfach als Stilmittel, um irgendetwas zu vergleichen, damit man etwas beschreiben kann. Ich mein, über Musik zu schreiben ist eh wahnsinnig schwierig, insofern versteh ich diese Art und Weise, wie da wahnsinnig viele Namen ins Spiel kommen. Aber eigentlich, unterm Strich, nervts dann doch meistens, obwohl... Nein, eigentlich kommts echt drauf an.

Wo würdet ihr gerne mal spielen – Stichwort Frequency 2010?
Andreas: Also wir scheuen ja eher so große Festivals. Als österreichische Band, wie wir das sind, ist man dort ja Bittsteller, kann um zwei Uhr am Nachmittag spielen und kriegt kein Geld und eine Wurstsemmel – und insofern hätten wir vielleicht schon am Frequency spielen können, aber das mag ich mir eigentlich nicht antun.

So als Open-Stage-Headliner, wie dieses Jahr Kreisky und Petsch Moser?
Andreas: Genau, das ist mir ein bisschen fremd, das versteh ich nicht ganz, was das bringen soll.
Sebastian: Also ich würd ja gern mal in Tokio spielen.
Andreas: Es wär sicher für uns interessant, aus diesem Deutschland-Österreich-Schweiz-Ding rauszukommen – ist natürlich schwierig als deutschsprachige Band. Aber grad der asiatische Markt würde uns sehr interessieren.

Was plant ihr für 2010?
Andreas: Wir spielen im Jänner noch eine Tour.
Sebastian: Neue Lieder schreiben vielleicht?
Andreas: Vielleicht auch irgendwann an einer neuen CD arbeiten, gegen Ende des Jahres.

Das heißt, 2011 kommt das nächste Album?
Andreas: Das wollen und können wir jetzt noch nicht sagen.

Ein Wort zum Schluss von Euch?
Sebastian: Griaß eich!
Andreas: Wir schicken auf jeden Fall liebe Grüße.




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