It's all wrong, it's all right...
Radiohead ist seit jeher eine Band, die sich gegen alles stellt. Sie bekommen das Prädikat „Einflussreichste Rockband unserer Zeit“, ihre Reaktion: Sie veröffentlichen zwei elektronische Alben (Kid A, Amnesiac). Sie lösen sich von ihrem Label EMI und um ihnen noch einen Schlag ins Gesicht zu verpassen veröffentlichen sie ein Album, als Download, Preis frei bestimmbar, kein Marketing, kein Label, das groß dabei verdient. Aber heißt das, das Album sei deshalb nicht gut? Nein, definitiv nicht.
Es scheint, als wollten sie uns abschrecken mit dem Opener 15 Step. Breakbeatartige, chaotische Rhythmik, die markante Falsettstimme Thom Yorkes, schließlich gesellt sich doch noch eine ruhige Gitarre dazu. Der Beginn erinnert etwas an Idioteque, ohne aber dass man daran denkt, sie hätten es einfach recycelt, mangels Einfallsreichtum. Nach mehrmaligem Durchhören, wenn der erste Schreck verdaut ist, sozusagen, entwickelt sich 15 Step aber zu einem der Highlights des Albums. Es folgt Bodysnatchers, recht schnell und mit kratzigen Gitarren, im krassen Gegensatz dazu Thom Yorkes Stimme. Wenngleich nicht so furios wie 15 Step, bleibt Bodysnatchers“ ein sehr genialer Track.
Das Album bestätigt die Behauptung, dass Radiohead regelrechte Liebhaber von Kontrasten sind, als nächstes ertönt nämlich das ruhige Nude. Dieses Lied bremst die bisherige Dynamik des Albums, das jedoch ohne qualitative Abstriche. Dynamischer wird es wieder mit Weird Fishes/Arpeggi, welches wiederum von einer ruhigen Nummer abgelöst wird, All I Need. Diesmal geht es aber auch ruhig weiter, mit Faust Arp, welches nicht zuletzt wegen der kitschigen Streicher im Hintergrund etwas platt wirkt. Für Radiohead-Verhältnisse.
Auf den "Tiefpunkt" des Albums folgt wieder ein, wenn nicht der Höhepunkt. Bei Reckoner dominiert zu Beginn das typische beckenlastige Spiel von Drummer Phil Selway, das jedoch bei Einsetzen des Pianos in den Hintergrund tritt und bei der Mitte des Songs kurz ganz verschwindet, um sich dann wieder in den Vordergrund zu drängen. Ein gigantischer Song. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Auf qualitativ weiterhin sehr hohem Niveau geht es mit dem wunderschönen House Of Cards weiter. Hier gibt Thom Yorke seine sanfteste Stimme preis und klingt dabei auch noch stark nach Jónsi von Sigur Rós.
Als vorletzte Nummer präsentiert sich Jigsaw Falling into Place, die erste Singleauskopplung des Albums, außerdem herrlich produziert. Und der letzte Song ist die endgültige Peripetie dieses Albums: Videotape. Anfangs nur Yorke begleitet von einem Klavier, dazu kommt später ein Beat, der jedoch immerzu erstickt zu werden scheint und nie ganz auszubrechen vermag. Dieser Song hat auf alle Fälle das Potential, das Karma Police des 21. Jahrhunderts zu werden. Ein grandioses Finale eines grandiosen Albums.
Was Radiohead uns mit diesem Album gezeigt haben, ist nicht nur, dass sie nach wie vor grandiose Musik machen, sondern auch ganz neue Wege der Musikvermarktung.
Userbewertung: 8,09 Punkte (11 Stimmen)
Autorenbewertung: 10 Punkte
Alle Kritiken zu
Radiohead
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OK Computer (1997)
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Autoren-Bewertung: 10 Punkte
User-Bewertung: 8,40 Punkte
Datum: 4. August 2009
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In Rainbows (2007)
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Autoren-Bewertung: 10 Punkte
User-Bewertung: 8,09 Punkte
Datum: 14. August 2009
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Kid A (2000)
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Autoren-Bewertung: 9 Punkte
User-Bewertung: 8,67 Punkte
Datum: 1. September 2009
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Amnesiac (2001)
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Autoren-Bewertung: 10 Punkte
User-Bewertung: 8,25 Punkte
Datum: 20. Februar 2010
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Erschienen am 14. August 2009
In Rainbows
Erscheinungsjahr: 2007
Label: XL Recordings
Genre: Art Rock/Experimental/Post Rock
Tracklist:
1. 15 Step 2. Bodysnatchers 3. Nude 4. Weird Fishes/Arpeggi 5. All I Need 6. Faust Arp 7. Reckoner 8. House Of Cards 9. Jigsaw Falling Into Place 10. Videotape
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