Down, down, there he goes - up, up, where he stares, there is no way.
Es ist Freitag, der Frühling ist bei uns noch nicht in der Art ins Land gezogen, wie wir uns das eigentlich wünschen würden, und trickster.at versucht sich heute einmal in Weltliteratur.
Franz Kafka, wie uns allen zweifellos bewusst ist, war ein jüdischer österreichisch-ungarischer Schriftsteller, der Anfang des 20. Jahrhunderts zu Lebzeiten eher unerfolgreich um die 15 Werke veröffentlichte. Nach seinem Tod, wie das nunmal ist, wurden posthum weitere 40 Titel veröffentlicht, und er wurde erfolgreich. Blöd gelaufen.
Einer seiner posthum veröffentlichten Titel ist "Amerika" - das eigentlich "Der Vorschollene" hieß, weil "Amerika" nun mal nur der Arbeitstitel war, aber das würde als Albumtitel wohl nicht so spritzig klingen. Wie dem auch sein, das neueste Naked Lunch - Album trägt eben jenen Namen, und versucht bruchstückhaft die Geschichte des 17-jährigen Karl Rossmann zu erzählen, der von seinen Eltern in die USA geschickt wurde, weil er mit einem Dienstmädchen Sex hatte. Böser Junge.
Genau diesen Anfang behandelt auch - Überraschung - das erste Lied des Albums, Let me walk upon the water. Während im ersten Lied noch von großen Erwartungen gesprochen wird, gibt sich This Hell of Life ziemlich niedergeschlagen - Karl wird von seinem Onkel in Amerika, bei dem er eigentlich leben sollte, auf die Straße gesetzt.
Musikalisches Highlight des Albums, soviel sei vorweggenommen, ist zweifelsohne Fight Club - nein, kein Schwenk in das Genre der Filmmacherei des späten 20. Jahrhunderts, eher ein Lied mit beeindruckender Bandbreite an Gefühlen, die auch der junge Karl im Buch durchmachte, als er im Buch weiter mit seinem Onkel streitete und nun vollkommen auf sich alleine gestellt war.
In den weiteren Lieder geht es weiterhin hauptsächlich um die großen Erwartungen und Hoffnungen, die Karl hat - zuerst arbeitet er im Roman als Liftjunge in einem Hotel, wo er nach kurzer Zeit wieder entlassen wird - danach träumt er, wie wir alle, von einem ruhigen Bürobeamten-Job.
Musikalisch zu empfehlen ist weiterhin The Tramp, bevor das Album mit Your Last Waltz zu Ende geht. Eine Spoiler-Warnung für das Buch sparen wir uns jetzt, da es eh einer von Kafkas unvollendeten Romanen ist, und wir somit gar nichts vom eigentlichen Ende erzählen können - praktisch, oder?
Im letzten geschriebenen Kapitel des Buchs geht es jedenfalls darum, dass Karl wieder mehr Hoffnung hat, weil er eventuell Künstler werden könnte. Danach folgt nun seit 73 Jahren ein Cliffhanger, ärgerlich.
Fazit Das beste am Album ist zweifellos: Um es zu genießen, braucht man nicht unbedingt Franz Kafka lesen. Rein musikalisch passt Naked Lunch natürlich nicht in jede Situation - ebensowenig wie eine Nacherzählung eines Franz Kafka-Romans.
Userbewertung: 9,00 Punkte (2 Stimmen)
Autorenbewertung: 8 Punkte
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Erschienen am 15. April 2011
Amerika
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Alternative
Tracklist:
1. Let me walk upon the Water 2. This Hell of Life 3. Fight Club 4. Tumble Down 5. First there was desert 6. Had this dram 7. On Fire 8. The Tramp 9. Your Last Waltz
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